Richard Mai steht mit einem Hoodie mit der Aufschrift SyStep im Wald
„Ahoj-Hallo legt ein Fundament, auf dem sich viel entwickeln kann“
Richard Mai
Tschechien
Leiter der SySTEP-Kindergärten und Erzieher im Waldkindergarten Naila

Tschechien war für Kindergartenleiter Richard Mai früher ein blinder Fleck. Das wollte er ändern. Dabei nahm er schließlich alle SySTEP-Kindergärten in Oberfranken mit. Im Projekt „Ahoj – Hallo“ lernen Kinder aus den Waldkindergärten Naila, Stammbach und Pegnitz sowie der Feuerwehrkita Straßdorf die Sprache und Kultur des Nachbarlandes kennen. Im Interview erzählt Mai, was das Projekt bewirkt und warum es für ihn der ideale Einstieg in den bayerisch-tschechischen Austausch ist.

Wie sind Sie auf das Projekt „Ahoj-Hallo“ aufmerksam geworden?

Ich engagiere mich seit 2023 für bayerisch-tschechischen Austausch. Damals fiel mir auf, dass das Nachbarland Tschechien bei mir ein blinder Fleck ist. Dabei befinden wir uns hier in Hof in unmittelbarer Nähe zur Grenze. Ich suchte nach Möglichkeiten, um mit tschechischen Einrichtungen in Kontakt zu treten und stieß auf Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch und seine Angebote für die vorschulische Förderung.

Zuerst nahm ich nur mit meinem Waldkindergarten Naila an Angeboten teil. Dort arbeite ich vier Tage pro Woche als Erzieher. Unser erstes gemeinsames Projekt war „Tausch mit mir“. Es fördert in erster Linie Fachkräfteaustausch zwischen Erziehern und Kinderpflegerinnen aus Bayern und Tschechien. Ich bekam darüber hinaus jedoch die Möglichkeit, mit meinen Vorschulkindern eine Partnereinrichtung im Nachbarland zu besuchen. Letztes Jahr nahmen wir dann an „Von klein auf“ teil. Dabei besuchten wir wieder einen tschechischen Kindergarten und er uns.

Die Kinder waren von den Besuchen begeistert, für sie waren das große Abenteuer. Daher informierte ich mich, wie wir weitere Erfahrungen mit dem Nachbarland ermöglichen und sie auf alle unsere SySTEP-Kindergärten* ausweiten können. Tandem machte mich auf „Ahoj – Hallo“ aufmerksam und wir beantragten es für alle vier Kitas.

Wie läuft „Ahoj-Hallo“ bei Ihnen konkret ab?

Das Projekt umfasst neun Module pro Kindergarten, die wir an jeweils fünf Terminen durchführen. Bei jedem Termin finden zwei Module statt. Das erste Modul ist eine 45-minütige Sprachanimation. Anschließend folgt ein ebenso langes Sprachbad. 

Bei der Sprachanimation bringt die Fachkraft den Kindern mit kreativen und spielerischen Methoden die ersten tschechischen Worte bei. Dazu nutzt sie unter anderem Flaggen, Zahlen oder Tiere. Beim anschließenden Sprachbad nimmt die Sprachanimateurin am Kindergartenalltag teil. Beim Spielen oder Laufen durch den Wald spricht sie ausschließlich Tschechisch. Auf diese Weise tauchen die Kinder tief in die Sprache ein. Besonders gefällt mir, dass die Sprachanimateurin die Module stets genau auf die jeweilige Kita und ihre Rahmenbedingungen zuschneidet. In unseren Waldkindergärten sehen Sprachanimation und Sprachbad daher anders aus als in der Indoor-Kita.

Es ist beeindruckend zu sehen, wie schnell sich die Kinder auf die Methoden einlassen und wie hoch motiviert sie mitmachen. In unseren Einrichtungen nehmen alle Kinder teil, auch wenn die Teilnahme natürlich freiwillig ist. Das Angebot kam von Anfang an gut an. Sie freuen sich immer richtig, wenn die Sprachanimateurin zu uns kommt.

„Das Selbstbewusstsein der Kinder steigt unheimlich. Denn plötzlich können sie mehr als ihre Eltern! Da bewirken bereits ein paar Worte Tschechisch viel.“

Welche Veränderungen können Sie bei den teilnehmenden Kindern feststellen?

Ihr Selbstbewusstsein steigt unheimlich. Denn plötzlich können sie mehr als ihre Eltern! Da bewirken bereits ein paar Worte Tschechisch viel.

Ich finde es erstaunlich, wie die Kinder neue Worte aufsaugen und abspeichern. Sie können die Begrifflichkeiten jederzeit abrufen – viel besser als ich. Ich habe Kinder in der Gruppe, die sonst nicht hervorstechen, aber bei der Sprachanimation plötzlich glänzen. Dadurch bekomme ich nochmal einen anderen Blick auf sie. 

Sprechen Sie Tschechisch?

Sprechen wäre zu viel behauptet, aber ich lerne derzeit die Standardphrasen. Das finde ich wichtig, denn es gibt in der Grenzregion ein Ungleichgewicht. Viele Tschechen sprechen Deutsch, aber kaum ein Deutscher Tschechisch.

Die Sprache zu erlernen, finde ich gar nicht so schwer, aber im Alltag fehlt oft die Zeit. Doch durch das kombinierte Lernen mit meiner Sprachapp „Tschechisch lernen“ und dem Austausch mit tschechischen Bekannten geht es langsam, aber stetig voran.

Was schätzen Sie an Tschechien? 

Die Gastfreundschaft ist sensationell. Egal, ob ich beruflich oder privat unterwegs bin, ich komme immer schnell mit den Menschen ins Gespräch. Wir Franken sind manchmal ein bisschen grantig und reserviert. Deswegen ist es für uns ein besonderes Highlight, mit so offenen Armen empfangen zu werden.

Vor meinem Fachkräfteaustausch hatte ich gar keine Bezugspunkte zu dem Land. Heute bin ich mit einer der Sprachanimateurinnen befreundet und verbrachte bereits mehrere Wochenenden mit meiner Familie in Tschechien.

„Die Gastfreundschaft in Tschechien ist sensationell. Wir Franken sind manchmal ein bisschen grantig und reserviert. Deswegen ist es für uns ein besonderes Highlight, mit so offenen Armen empfangen zu werden.“

Welche weiteren Austauschformate mit Tschechien gibt es an Ihren Kindergärten?

In Naila läuft aktuell ein Kleinprojekt, das im Programm INTERREG Bayern - Tschechien 2021-2027 gefördert wird. Es heißt „Mein Land, dein Land. Die Welt aus den Augen von Kindern.“ Dabei besuchen sich zwei Partnereinrichtungen aus Bayern und Tschechien gegenseitig. Während der Besuche erstellen Fachkräfte und Kinder gemeinsam ein Kinderbuch. Dieses werden wir im Sommer beim abschließenden Treffen an der Grenze den Eltern vorstellen. 

Planen Sie weitere Maßnahmen?

Ja, für das Jahr 2026 möchte ich ein neues Projekt für alle Kindergärten beantragen. Es heißt „Sprachbrücken Bayern-Tschechien“. Damit möchten wir Sprachanimation über einen längeren Zeitraum in unsere Kitas holen. „Ahoj – Hallo“ ist toll, aber meiner Meinung nach etwas zu kurz. Die Erzieherinnen und Erzieher aller Einrichtungen freuen sich auf die Fortsetzung.

Außerdem planen die Kindergärten in Pegnitz und Stammbach eine eigene „Tausch mit mir“-Aktion mit gegenseitigen Besuchen von bayerischen und tschechischen Kitas. Ich freue mich sehr, dass mein Engagement für den bayerisch-tschechischen Austausch inzwischen solche Kreise zieht. Jede Einrichtung sieht den enormen Mehrwert. Die Sprachanimation reicht ihnen nicht mehr. Sie wollen jetzt über die Grenze fahren.

Welchen Tipp haben Sie für andere Kindergartenleiter oder Erzieher, die sich für „Ahoj-Hallo“ interessieren?

„Ahoj – Hallo“ ist meiner Meinung nach ein idealer Einstieg in den Austausch mit Tschechien. Die Freude an der Sprache steht im Mittelpunkt. Deswegen ist es ein Fundament, auf dem sich viel entwickeln kann. Es kann ein Sprungbrett für nachfolgende Projekte sein, mit denen man dann ins Nachbarland fahren kann.

Die Teilnahme ist schnell beantragt, danach läuft alles wie von selbst. Für die Erzieher ist es sehr entspannt, weil eine Fachkraft in die Einrichtung kommt und unsere Arbeit unterstützt. Ich kann es nur empfehlen.