Amerikanische Flagge weht an einem Häuschen der Bademeister an einem Strand in Kalifornien
16. Februar 2026

Ist ein Schüleraustausch in die USA derzeit noch sicher?

Viele junge Menschen träumen von einem USA-Aufenthalt. Doch die Nachrichten verunsichern. Sollte ich derzeit noch einen Jugend- oder Schüleraustausch dorthin machen? Wir haben die gemeinnützige Austauschorganisation Youth for Understanding (YFU) gefragt.

Ein Jugend- oder Schüleraustausch in den Vereinigten Staaten von Amerika machen – das wünschen sich viele Jugendliche. Doch ist ein Kurzaustausch oder ein Auslandsjahr angesichts von Nachrichten über Spannungen im Land, Überwachung von Social-Media-Aktivitäten und Problemen bei der Einreise noch eine gute Idee? Die gemeinnützige Austauschorganisation Youth for Understanding (YFU) gibt Antworten.

Die USA waren viele Jahre lang das beliebteste Land für einen Schüleraustausch. Hat sich das durch die aktuelle politische Lage im Land geändert?

Das Interesse daran, ein ganzes oder halbes Jahr in den Vereinigten Staaten von Amerika zu verbringen, ist nach wie vor groß. Teilweise verlagert sich die Nachfrage jedoch in andere Länder, wie zum Beispiel nach Kanada. 

Die Bewerberzahlen für unseren zweiwöchigen Kurzaustausch „USA for you“, für den sich derzeit Schüler von Sekundar- oder Gesamtschulen aus Sachsen-Anhalt bewerben können, sind im Vergleich zu den Vorjahren gleich geblieben. 

Ist es schwieriger geworden, an einem Jugend- oder Schüleraustausch in die USA teilzunehmen?

Nein, das Bewerbungsverfahren und die organisatorischen Schritte sind dieselben wie immer. Da sich etwas weniger Schüler für die langfristigen Programme bewerben, ist es sogar ein bisschen leichter geworden, einen Platz zu erhalten. Auch die Visumsbestimmungen für Austauschschüler sind gleich geblieben. Unsere Teilnehmenden hatten bislang keine Probleme bei der Einreise.

Ist ein Aufenthalt in den USA aus Ihrer Sicht noch sicher?

Ja. Wir verstehen, dass sich manche Jugendliche und Eltern angesichts der turbulenten und oft beunruhigenden Nachrichten um die Sicherheit vor Ort sorgen oder sich fragen, was passiert, wenn die politisch angespannte Lage eskaliert. Doch wir sind überzeugt, dass ein Schüleraustausch in die USA weiterhin eine wertvolle Erfahrung ist, die auch in unruhigen Zeiten in einem geschützten und sicheren Rahmen stattfindet.

In den täglichen Abläufen der Jugendlichen spielt die politische Situation in der Regel eine untergeordnete Rolle. Auch wenn sie natürlich – je nach individuellem Umfeld – mit mehr oder weniger intensiven Diskussionen und verschiedenen Sichtweisen hierauf in Kontakt kommen können. 

Wir sind überzeugt, dass ein Schüleraustausch in die USA weiterhin eine wertvolle Erfahrung ist, die auch in unruhigen Zeiten in einem geschützten und sicheren Rahmen stattfindet.

Was passiert, wenn sich die politische Lage verschlechtert?

Ebenso wie andere gemeinnützige Jugendorganisationen beobachten wir von YFU die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten von Amerika – so wie in all unseren Partnerländern – ganz genau. Sollten wir zu dem Schluss kommen, dass die Sicherheit von Austauschschülerinnen und Austauschschülern vor Ort nicht mehr gewährleistet werden kann, würden wir sofort entsprechend handeln.

Momentan halten wir dies jedoch nicht für notwendig. Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, den Alltag in diesem vielschichtigen Land zu entdecken – im Kontakt mit Menschen, die abseits von politischen Unwägbarkeiten weiterhin Austausch und neue Perspektiven suchen. 

Welche Gründe sprechen aus Ihrer Sicht derzeit dennoch oder vielleicht gerade wegen der schwierigen Beziehung zu den USA für einen Jugend- oder Schüleraustausch?

Gerade in Zeiten von politischen Umbrüchen ist es unserer Meinung nach besonders wichtig, dass die Menschen selbst miteinander in Kontakt bleiben und wir auf dieser Ebene weiterhin Brücken bauen. 

Die USA sind noch immer ein unglaublich spannendes Austauschland. Wer sich jetzt für ein Schuljahr dort entscheidet, kann sich ein ganz persönliches Bild davon machen, was die Menschen vor Ort wirklich bewegt und welche Dynamiken den Alltag prägen. Oft ergibt sich daraus ein anderes und sehr viel komplexeres Bild, als man es zuvor für sich aus den Nachrichten herausgelesen hat. 

Wie einfach ist es, Gastfamilien zu finden? Sind die Amerikaner noch offen für ausländische Gäste?

Ja, die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Familien bestehen definitiv weiter – unabhängig von Entscheidungen der politischen Führung. Unsere aktuellen Teilnehmenden erleben die Menschen vor Ort weiterhin als sehr offen und zugewandt. Sie bekommen den berühmten „High School Spirit“,  ein Gefühl der Zusammengehörigkeit als Schule, die herzliche Aufnahme in eine US-amerikanische Familie sowie typische amerikanische Traditionen und Alltagsgewohnheiten nach wie vor mit.

In vielen unserer 35 Austauschländer weltweit werden Schüler mit politischen Systemen oder Ansichten konfrontiert, die nicht ihren Werten entsprechen. Das ist ein wichtiger Teil der Austauscherfahrung. 

Wie gehe ich damit um, wenn meine Gastfamilie andere politische Ansichten hat als ich?

In vielen unserer 35 Austauschländer weltweit werden Schüler mit politischen Systemen oder Ansichten konfrontiert, die nicht ihren Werten entsprechen. Das ist ein wichtiger Teil der Austauscherfahrung. Es geht darum, andere Perspektiven kennen- und manchmal auch aushalten zu lernen und ein eigenes Bild davon zu erhalten, wie diese möglicherweise entstanden sind. Das heißt keinesfalls, dass man diese gutheißen oder gar übernehmen muss! 

Austausch bedeutet vor diesem Hintergrund auch zu akzeptieren, dass sich manche Standpunkte nicht vereinbaren lassen werden – und man sich menschlich trotzdem nah sein kann. 

Wird der zweiwöchige, kostenfreie Kurzaustausch „USA for you“ für Mittelschülerinnen und -schüler aus München fortgesetzt werden?

Ja, derzeit bereiten wir die nächste Ausschreibung vor. Münchner Mittelschülerinnen und Mittelschüler können sich in Kürze für die Reise im Herbst 2026 bewerben. Unsere Partner, zu denen die Stiftung Jugendaustausch Bayern gehört, fördern das Projekt weiterhin.

Welche Alternativen gibt es, wenn ich nun dennoch nicht mehr in die USA möchte?

Ein Austausch ist überall auf der Welt gleich wertvoll. In all unseren Gastländern können junge Menschen in einen völlig neuen Alltag eintauchen, eine andere Sprache (besser) lernen und eine andere Kultur entdecken. In welchem Land genau man diese Erfahrung macht, ist in unseren Augen zweitrangig. Wem es aber um die englische Sprache geht, der kann sich alternativ für Kanada, Australien, Großbritannien oder Irland entscheiden.